Hündin - Kleintierpraxis Dr.med.vet. Martin Borgers

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Hündin

Kastration von:
DIE VERHINDERUNG DER LÄUFIGKEIT BEI DER HÜNDIN (per Operation oder regelmässiger Injektion)

Die  erste Läufigkeit tritt bei der Hündin meist in einem Alter von sieben  bis vierzehn Monaten ein. Äußere Anzeichen sind eine geschwollene  Scheide und wässriger Scheidenausfluss, der zuerst glasklar bis rosarot  ist und dann blutig wird. Alle andersartigen Färbungen sind krankhaft.  Die Läufigkeit dauert insgesamt ca. drei Wochen. Am Ende der Läufigkeit  ist die Hündin befruchtungsfähig und deckbereit. Die  Läufigkeitsblutungen, die Belästigung durch Rüden und die Gefahr einer  unerwünschten Trächtigkeit lassen häufig den dringenden Wunsch  entstehen, die Läufigkeit zu verhindern.

Fast jeder, der sich  eine Hündin hält, überlegt wahrscheinlich früher oder später: Sollte  eine Kastration durchgeführt werden oder nicht? Meist ist das keine  leichte Entscheidung. Bedenken und Fragen kommen auf. Sollte die Hündin  nicht wenigstens einmal Welpen gehabt haben, um ein vollwertiges Leben  zu führen? Welchen gesundheitlichen Risiken ist sie ausgesetzt, wenn sie  nicht kastriert wird? Was genau ist eine Kastration? Was passiert bei  solch einem Eingriff eigentlich? Und welche Vor- und Nachteile hat so eine OP? Oder soll man die Läufigkeit durch Hormonspritzen verhindern?

In  jeden Fall sollten Sie zunächst mit Ihrem Tierarzt besprechen, ob bei  der betreffenden Hündin eine Kastration oder Hormonbehandlung angebracht  ist oder nicht. Dass Hündinnen wenigstens einmal Welpen gehabt haben  sollten, bevor man sie kastriert, ist wissenschaftlich nicht belegt und  daher als Ammenmärchen zu werten. Dagegen ist aus Sicht der Tiermedizin  sicher, dass unkastrierte Hündinnen vielfältigen gesundheitlichen  Risiken ausgesetzt sind. Der Stress der Läufigkeit ist nur das kleinste  Problem. Viel gravierender sind Scheinschwangerschaften, die der Hündin  psychisch und physisch zu schaffen machen. Möglich ist auch, dass sich  eine eitrige Gebärmutterentzündung oder gar Gesäugekrebs entwickelt.  Beides kann tödlich sein. Eine Kastration verhindert solche Leiden oder  reduziert zumindest das Risiko einer Erkrankung. Gesäugekrebs  beispielsweise kann je nach Zeitpunkt des Eingriffs erheblich begrenzt  werden.

  • Kastriert  man eine Hündin vor der ersten Läufigkeit, liegt die  Risikowahrscheinlichkeit des Auftretens von Gesäugetumoren unter 1  Prozent!
  • Wartet man bis nach der ersten Läufigkeit, steigt die Risikowahrscheinlichkeit auf 8 Prozent.
  • Nach der zweiten Läufigkeit liegt das Risiko bereits bei 26 Prozent!
  • Nach der dritten Läufigkeit ist die Bildung von Tumoren durch eine Kastration nicht mehr zu beeinflussen.
  • Adipositas  (Fettleibigkeit) im Alter von 1 Jahr, sowie Fütterung mit hohem Anteil  an rotem Fleisch werden auch mit vermehrt auftretenden Mammatumoren in  Verbindung gebracht.
 (Die o.g. Zahlen stammen von Prof. Nolte, Tierärztliche Hochschule  Hannover und Sophia A. Yin, DVM University of California Davis, USA  (Praxisleitfaden Hund und Katze - 3.Auflage, Seite 615) - weitere Infos zu Mammatumoren gibt es hier https://www.canosan.de/mammatumore-bei-der-huendin.aspx)

Noch  einige Zahlen zu Gebärmutterentzündung: ca. 8 % aller Hündinnen über 7  Jahre erkranken an einer Pyometra (Gebärmuttervereiterung) oder an einer  Endometritis (Gebärmutterentzündung). Statistisch nachgewiesen leben  frühkastrierte Tiere im Durchschnitt etwa 1 Jahr länger als  unkastrierte. Für die Hündin ist die Kastration, wenn sie früh erfolgt,  lebensverlängernd, weil häufige Krankheiten älterer Hündinnen  (Gebärmuttervereiterungen, Gesäugetumore) nicht mehr vorkommen können.




Kastration der Hündin:
Bei  der Kastration werden durch einen Bauchschnitt beide Eierstöcke (evtl.  auch Teile oder die gesamte Gebärmutter) entfernt. Der Eingriff ist bei  optimaler Narkosemethode und Operationstechnik vom Risiko her  vergleichbar mit einer unkomplizierten Blinddarmentfernung beim  Menschen. Der günstigste Zeitpunkt der Operation ist kurz vor der ersten  Läufigkeit also in einem Alter von ca. 5-6 Monaten.

Anmerkung:  Die Kastration der Hündin wird im täglichen Sprachgebrauch meist  Sterilisation genannt. Bei einer Sterilisation werden aber nur die  Eileiter unterbunden. Dies würde aber lediglich die Fruchtbarkeit  unterbinden, alle anderen Probleme (Hitzeblutungen, Rüdenaktivität,  Scheinschwangerschaft, Gesäugetumore, Gebärmuttervereiterung etc.)  würden bleiben.

Vorteile: Mit einem  einzigen Eingriff ist das Problem der Läufigkeit behoben,  Scheinträchtigkeiten können nicht mehr auftreten. Die  Gebärmuttervereiterung, eine häufige Erkrankung bei älteren Hündinnen  (s.o.), kommt danach praktisch nicht mehr vor. Wird eine Hündin vor der  ersten Läufigkeit kastriert, so reduziert sich das Gesäugetumorrisiko  (s.o.) erheblich.

Nachteile: Kastrierte  Hündinnen verwerten das Futter besser und neigen zu Übergewicht.  Zusätzlich kann sich der Appetit nach der Kastration vergrößern. Wer  dann auch mehr füttert, hat schnell eine fettleibige Hündin. Mit den  gleichen Futterrationen wie vor der Kastration und Bewegung können  Herrchen und Frauchen diesen Punkt aber gut in den Griff bekommen. Bei  einigen Rassen verändert sich gelegentlich das Haarkleid. Besonders  langhaarige Hündinnen können dann wieder eine Art Welpenfell ausbilden.  Ebenfalls selten kann nach der Operation eine Harninkontinenz auftreten,  wobei die Hündin manchmal oder auch regelmäßig, meist im Schlaf, etwas  Urin verliert. Gegen die Harninkontinenz gibt es wirksame Medikamente.

Ist eine Kastration nach dem Tierschutzgesetz überhaupt erlaubt?
JA - vom Tierschutzgesetz her ist die Kastration zur Unfruchtbarmachung erlaubt -  § 6 Abs. 1, Ziffer 5: "das Verbot des vollständigen oder teilweisen  Amputierens von Organen etc. gilt nicht, wenn der Eingriff zur  Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder - soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen - zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung vorgenommen wird".




Spritzen zur Verhinderung der Läufigkeit

Verwendet  wird ein Hormonpräparat. Die erste Injektion sollte ca. 2 bis 3 Monate  nach der Läufigkeit erfolgen. Die Injektionen können/müssen bis in das  hohe Alter durchgeführt werden, da es bei der Hündin kein natürliches  Klimakterium gibt.

Vorteil: Die  Injektionen können zu jeder Zeit unterbrochen werden. Die Hündin kann,  wenn gewünscht, wieder läufig werden und Welpen bekommen.

Nachteile:  Um die Läufigkeiten dauerhaft zu verhindern, sind pünktliche und  regelmäßige Wiederholungsinjektionen erforderlich. Die Hormonbehandlung  bietet keinerlei Krebsvorsorge, ja sie fördert sogar das Risiko von  Gesäugetumoren. Bei unregelmäßigen Injektionen (zum Teil auch bei  korrekter Anwendung) ist mit Gebärmutterentzündung zu rechnen.


Die Entscheidung für die eine oder andere Methode sollten Sie in Ruhe treffen und mit Ihren Tierarzt individuell besprechen.




Zusammenfassung:

  • Hündinnen,  die regelmäßig läufig werden und solche, die regelmäßig Hormonspritzen  erhalten, bekommen häufig im mittleren Alter Gesäugekrebs
  • Hündinnen,  die regelmäßig läufig werden und solche, die Hormonspritzen bekommen,  können an einer lebensbedrohenden Gebärmuttervereiterung erkranken
  • Eine  Kastration vor (oder nach) der ERSTEN Läufigkeit ‚schützt’ vor  Gesäugekrebs, die Hauptrisiken liegen in der Operation und der  Möglichkeit der Harninkontinenz
  • Eine  Überwachung des Gewichtes und eine bedarfsgerechte Ernährung ist sowohl  bei operierten, als auch bei hormonbehandelten Hündinnen dringend  geraten.
  • Statistisch  nachgewiesen leben frühkastrierte Tiere länger als unkastrierte. Für  die Hündin ist die Kastration, wenn sie früh erfolgt deshalb  lebensverlängernd, weil häufige Krankheiten älterer  Hündinnen wie z.B.  auch die Gebärmutterentzündung/-vereiterungen verhindert werden.




letztes Update 26.10.2018
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